Metastasen


Metastasen bei Brustkrebs

Metastasen sind sekundäre Tochtergeschwulste, die durch Absiedlungen Entszehung Metastasen durch Zellen Teilungvon ursprünglichem Tumor entstehen. Sie bilden sich aus Krebszellen, die sich andernorts im Körper angesiedelt haben. Es sind oft nur lokale Lymphknoten befallen. Meistens spricht man jedoch über Metastasen, wenn Fernmetastasen in andere Organe auftreten.

Bei ungefähr 30% an Brustkrebs erkrankten Frauen entwickeln sich im Laufe der Zeit Metastasen. Die Hälfte der sekundären Tochtergeschwülste entwickeln sich  innerhalb der ersten 5 Jahre nach Diagnose des Mammakarzinoms, bei den meisten anderen Frauen im 6.-15. Jahr nach Ersterkrankung.
Selten können auch noch später Metastasen des Brustkrebses auftreten.

Ob einzelne Brustkrebszellen die Möglichkeit haben, in fremde Organe über das Blut oder das Lymphsystem zu gelangen und sich dort anzusiedeln, also Tochtergeschwulste zu bilden, wird nicht von der Größe des Tumors, sondern von den Eigenschaften der einzelnen Zellen bestimmt.
Brustkrebs kann bestimmte Proteine herstellen, die den Brustkrebszellen erlauben, die Gefäßwand der Blutgefäßen zu durchdringen und sich in den dahinterliegenden fremden Gewebe anzusiedeln.

Bei Brustkrebs bilden sei sich am häufigsten (in absteigender Folge) im Skelett (bei etwa vierter Frau), Leber, Lunge, Gehirn, Haut.

Am Skelett sind in absteigender Häufigkeit Wirbelkörper, Oberschenkelknochen, Becken, Rippen, Brustbein, Schädelkalotte (das knöcherne Schädeldach) und Oberarmknochen betroffen.

Metastasen des Brustkrebses treten bei ca. 20-40 % der Frauen mit Brustkrebs im Verlauf ihres Lebens auf. Die Tumorzellen der Metastasen bei Brustkrebs sind in der Regel aggressiver und schwieriger zu therapieren wie der Ursprungstumor in der Brust.

Je später ein Mammakarzinom entdeckt wird, desto größer ist das Risiko, dass sich bereits Metastasen gebildet haben.

Jeder Organismus geht mit einer Krankheit anders um. Die Patientinnen mit Brustkrebs Metastasen haben durchschnittlich eine Lebenserwartung von höchstens drei Jahre. Mehr als ein Viertel aller betroffenen Frauen lebt aber deutlich länger.  Die Überlebenschancen sind vor allem bei Metastasen im Gehirn oder den Knochenapparat gering.

Die Zahl der endgültigen Heilungen bei Patientinnen mit Brustkrebs Metastasen liegt im Bereich von maximal 2%.
Eine frühzeitige Diagnose und ein zeitiger Beginn der verschiedenen Therapien zwischen medikamentöser Behandlung, Strahlentherapie und Chemotherapie können die Chancen der Krebspatientinnen deutlich erhöhen.

Bei Risikopatientinen, bei denen sich noch keine Metastasen gebildet haben, werden vor und nach Operation Chemo- und Hormontherapie durchgeführt, manchmal werden zusätzlich Antikörper eingesetzt. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit der Metastasierung verringert.

Symptome für Brustkrebs Metastasen

Die ersten Anzeichen von Metastasen des Brustkrebses sind abhängig von deren Lokalisation. Je nach befallenen Organ kann es zu verschiedenen Symptomen kommen.

Knochen-Metastasen:

  • Knochenschmerzen: spitz oder drückend; häufig in Wirbelsäule, Rippen, Brustbein und Schädel, seltener in Oberarm und Oberschenkel, sehr selten in Hand- und Fußknochen, äußerst selten in den Gelenken
  • Knochenbruch an ungewöhnlicher Stelle oder ohne spezifischen Grund
  • Müdigkeit, Verwirrtheit, Herzrhythmusstörungen (Symptome eines zu hohen Kalziumspiegels bei Knochenmetastasen)

Beschreibung der Behandlung von Knochenmetastasen auf der Seite: => Knochenmetastasen

Lungen-Metastasen:

  • Chronischer Husten
  • Auswurf von blutigem Schleim
  • Atemnot unter Belastung oder sogar in Ruhe (Treppensteigen fällt schwer, Spazierengehen nur noch kurzzeitig möglich)
  • Geringe Belastbarkeit

Leber-Metastasen:

  • Chronischer Druck im rechten Oberbauch
  • Chronische Schmerzen im rechten Oberbauch
  • Gelbfärbung der Augen (verursacht durch das Bilirubin, welches von der Leber nicht mehr abgebaut werden kann)
  • Chronische Müdigkeit

Gehirn-Metastasen:

  • Stärkste Kopfschmerzen, die sich nicht bessern
  • Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit
  • Stärkste Müdigkeit
  • Verlust von einzelnen Gehirnfunktionen (zum Beispiel Bewegungslosigkeit eines Armes oder Beines, Gefühlsstörungen der Finder oder der Zehen, Verlust der Sprachfunktion oder Einschränkung des Sichtfeldes)

Beschreibung der Behandlung von Gehirnmetastasen auf der Seite: => Gehirnkrebs

Lymphknoten-Metastasen:

  • Chronisch vergrößerte Lymphknoten, vor allem im Bereich der Achselhöhle und des Halses, die normalerweise nicht schmerzhaft sind
  • Gegebenenfalls Gefühlsstörungen der Haut oder Probleme bei bestimmten Muskelbewegungen, wenn die Lymphknoten auf Nerven oder Muskeln drücken

Allgemein bei Metastasen des Brustkrebses:

  • Dauerhaft erhöhte Körpertemperatur (> 38° C)
  • Nächtliches Schwitzen
  • Müdigkeit, nur geringe Belastbarkeit
  • Gewichtsabnahme ohne ersichtlichen Grund

 

Untersuchungen bei Verdacht auf Brustkrebs Metastasen

die notwendigen Untersuchungen je nach Verdacht der Lokalisation der Metastase.

  • Verdacht auf Knochen-Metastasen: Knochenszintigraphie, Röntgenbild, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Verdacht auf Lungen-Metastasen des Brustkrebses: Röntgenbild, CT
  • Verdacht auf Leber-Metastasen des Brustkrebses: Ultraschall, MRT
  • Verdacht auf Gehirn-Metastasen des Brustkrebses: Neuro-CT, MRT
  • Verdacht auf Lymphknoten-Metastasen des Brustkrebses: Ultraschall, MRT

Es kann auch die Analyse der Rezeptoren erneut erfolgen. Die Systemorgane Leber, Lunge und Knochen sollen mit abgeklärt werden.

Therapie der Brustmetastasen

Die Tumorzellen der Metastasen des Brustkrebses sind in der Regel aggressiver und nicht mehr so leicht zu therapieren wie der Ursprungstumor in der Brust

Die Therapie ist sehr komplex und sehr individuell, da nicht nur die Lokalisation der Metastase, sondern auch die vorherigen Therapien, der klinische Zustand der Patientin, die Symptome, Begleiterkrankungen und vieles mehr eine Rolle spielen.

Im Vordergrund stehen medikamentöse Therapien, da die Erkrankung nun den gesamten Körper betrifft und somit auch der gesamte Körper über das Blut therapiert werden sollte.

Als lokale Maßnahmen können Bestrahlung oder Operation sinnvoll sein.

Wenn der Brustkrebs nur lokal in die Lymphknoten metastasiert ist, werden antihormonelle Therapien, Antikörper- oder Chemotherapie eingesetzt.

Vor allem die erste Therapie nach dem Nachweis der Metastase ist sehr wichtig, da die metastasierten Tumorzellen noch gut angegriffen werden können.

Aus diesem Grund werden die meisten Studien mit neuartigen Medikamenten in diesem Stadium der metastasierten Brustkrebserkrankung durchgeführt. Betroffene Frauen sollten sich genau über die Möglichkeit von innovativen Therapiestudien informieren.

Die Therapie von Brustkrebs-Metastasen solle von einem Onkologen geplant und durchgeführt werden.

Je nach Art und Ort einer Metastase können Beschwerden wie schmerzhafte Knochenbrüche, Beschwerden im Oberbauch, Schmerzen beim Atmen, Atemnot, Sehstörungen, Kopfschmerzen oder Schwindel auftreten. Gewichtsverlust kann den Körper insgesamt schwächen.

Eine anhaltende Besserung ist in dieser Situation nicht mehr sehr wahrscheinlich. Unter bestimmten Bedingungen kann die Krankheit jedoch auch in dieser Phase noch längere Zeit gut beeinflussbar sein.

Relativ günstig ist es zum Beispiel, wenn nur das Skelett betroffen ist. Gelegentlich tritt ein Tumor überhaupt erst in dieser Phase erstmals in Erscheinung. Sollte es dann gelingen, ihn und die Metastasen vollständig zu entfernen, dann kann die Krankheit längere Zeit eingedämmt bleiben.

Auch bei insgesamt eher günstigen Gewebemerkmalen des Tumors, zum Beispiel positiven Hormonrezeptoren oder Grading 1 oder 2, ist das mithilfe einer gezielten Therapie möglich:

Laserinduzierte Interstitielle Thermotherapie (LITT):

Bei diesem lokalen, minimalinvasiven Verfahren werden einzelne Metastasen, etwa in der Leber oder Lunge, gezielt überhitzt und verschmort. Mit Hilfe bildgebender Verfahren wie der MRI spürt der Arzt die sichersten Zugangswege zum befallenen Organ auf und schleust Lasersonden in den Krebsherd ein. Die Laserenergie lässt die bösartigen Zellen in wenigen Minuten »auseinanderbrechen«. Für diese Methode dürfen maximal 5 Metastasen mit einem maximalen Durchmesser von 50 Millimeter vorliegen. Entwickler der LITT ist der Radiologe Prof. Thomas Vogel aus Frankfurt. Das Verfahren wird heute aber auch an anderen spezialisierten Zentren angewandt.

Interstitielle Photodynamische Lasertherapie (POT):

Bei dieser Methode wird dem Patienten zunächst ein Wirkstoff verabreicht, der, ähnlich wie das Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit von Haut und Geweben erhöht (Photosensibilisierung).
Nach einer Pause von rund 24 bis 120 Stunden wird durch verschiedene endoskopische Instrumente ein spezieller Laser-Lichtstrahl (Dioden-Laser) in die Metastase eingebracht. Dieses Licht aktiviert den vorher verabreichten Wirkstoff im Tumor. Die Folge: Es bilden sich hochgiftige Sauerstoffradikale, das »ans Licht gebrachte« Tumorgewebe stirbt ab. Da keine Hitze entsteht, ist dieses Verfahren – bis auf das Einführen des Katheters für den Lichtstrahl – weitgehend schmerzfrei – ohne Nebenwirkungen.
Ein Nachteil dieser Methode ist eine vorübergehende komplette Lichtempfindlichkeit des Patienten.

Dioden-laserchirurgie:

Dieser Lasertyp mit einem Wellenbereich von 1318 Nanometern arbeitet mit einem sehr intensiven  Laserlicht, das sich besonders für Eingriffe an der Lunge eignet. Dieser Diodenlaser schneidet Lungenmetastasen haarscharf heraus und schont das umgebende Gewebe. Diese Technik wird beispielsweise in den Abteilungen fürThoraxxchirurgie der Universitätskliniken Regensburg und Freiburg, in der Klinik für Thoraxchirurgie des Diakoniekrankenhauses Rotenburg (Wümme) und im Fachkrankenhaus Coswig praktiziert. Können die Lungenmetastasen komplett entfernt werden, liegen die 5-Jahres-Überlebensraten bei 40 bis 50 Prozent.

Radiofrequenz-Ablation (RFA):

Die Radiofrequenz-Tumorablation gehört zu den minimalinvasiven Behandlungsmethoden. Sie findet auch bei Lungenmetastasen Anwendung, die etwa durch Brust- oder Darmkrebs verursacht wurden. Dabei wird eine spezielle Nadel unter Kontrolle des Computertomographen in die Krebsabsiedlung eingebracht. Diese Nadel wird durch Radiowellen erhitzt und kann so das umgebende Tumorgewebe zerstören. Die Anwendung dieser Behandlung ist von der Tumorgröße abhängig. Zu große (über 4 Millimeter), aber auch zu kleine Tochtergeschwülste können nicht behandelt werden. Ähnlich funktioniert die Mikrowellenablation
(MWA) und die Kryoablation (Vereisung von Lebermetastasen).

Selektive Interne Radiotherapie (SIRT):

Die SIRT ist eine gezielte nuklearmedizinische Behandlung, ausschließlich auf Lebertumoren oder Lebermetastasen begrenzt. Dabei werden Millionen winziger, radioaktiver Kügelchen durch die Leberarterie zu den bösartigen Krebsherden gebracht. Diese Kügelchen enthalten das radioaktive Element Yttrium-90, das über eine relativ kurze Entfernung von 2,4 Millimetern strahlt und etwa zweieinhalbTage strahlungsaktiv bleibt. Da die SIRT-Kügelchen direkt in die Metastasen eingebracht werden, kann lokal eine höhere Strahlendosis verwendet werden als bei der klassischen Strahlentherapie
»Von außen«.
Der gesamte Eingriff dauert – ohne Vorbereitungszeit – 90 Minuten.

Trans-Arterielle perkutane Chemo-Embolisation (TACE):

Die Chemo-Embolisation ist ein örtliches Behandlungsverfahren, bei dem zwei Methoden miteinander kombiniert werden: zum einen die Embolisation (die künstlich herbeigeführte »Verstopfung « von Blutgefäßen) und zum anderen eine regionale Chemotherapie. Dazu muss man wissen, dass gesundes Lebergewebe nur zu 20 Prozent vom arteriellen Blutstrom versorgt wird.
Lebermetastasen »ernähren« sich hingegen bis zu 95 Prozent über die Leberarterie. DieseTatsache macht sich TACE zunutze. Mit Hilfe eines Katheters wird zunächst eine hohe Dosis von Zellgiften an die Tochtergeschwülste in der Leber herangeschwemmt und dann die Leberarterie verschlossen.
Da die nötigen Nährstoffe und der Sauerstoff nun ausbleiben, sterben die Krebszellen diesem Bereich ab. Zusätzlich werden die Krebszellen nun mit einer bis zu 100- fach höheren Konzentration von Zellgiften als bei einer systemischen Chemotherapie üblich konfrontiert. Auch das fördert ihr Absterben.
Das normale Lebergewebe bleibt von der Chemotherapie unbehelligt. TACE wird 2- bis 3-mal im Abstand von jeweils vier Wochen durchgeführt und kann auch in Verbindung mit anderen Therapieverfahren angewendet werden.

Transarterielle Chemoperfusion (TACP): 

Auch bei dieser lokalen Therapie wird mittels Katheter ein chemotherapeutischer Wirkstoff in Leber, Lunge oder Becken eingebracht – je nachdem, wo die Metastase liegt. Eine künstliche »Verstopfung«
von Blutgefäßen, wie bei der Embolisation, entfällt. Auch TACP wird 2- bis 3-mal im Abstand von jeweils vier Wochen angewendet und ist auch in Verbindung mit anderen Therapieverfahren möglich.

Perkutane Vertebroplastie (PV):

Auch die perkutane Vertebroplastie ist ein Verfahren der interventioneilen Radiologie im Schulterschluss mit der onkologischen Orthopädie. Bruchgefährdete Wirbelsäulenmetastasen werden mit Hilfe von Knochenzement stabilisiert. Durch diese neue Behandlungsmethode kann zudem auch eine deutliche Verringerung von Knochenschmerzen erreicht werden. Unter computertomographischer Kontrolle und örtlicher Betäubung wird die Knochenmetastase zunächst punktiert. Über diese rund 4 mm dicke Nadel
wird flüssiger Knochenzement in den gefährdeten Bereich eingebracht. Der Zement härtet nach kurzer Zeit aus und verleiht dem Skelett neuen Halt. Der Eingriff dauert 50 bis 60 Minuten.

 Kyphoplastie:

Die Kyphoplastie ist eine Variante der perkutanen Vertebroplastie. Hier wird vor dem Einbringen von Knochenzement ein Ballon in den gebrochenen oder vom Brechen bedrohten Wirbelkörper eingesetzt
und aufgepumpt. Dadurch soll versucht werden, den verformten Wirbelkörper wieder ins Lot zu bringen. Neu ist die Kombination von Kyphoplastie mit der vorgeschalteten Verschmorung von  Wirbelkörpermetastasen mit Hilfe der Radiofrequenz-Ablation (RFA). Dadurch können Metastasen gleichzeitig behandelt und die Wirbelkörper mit der knochenschonenden Kyphoplastie wieder stabilisiert
werden.
Die Gesamtbehandlung dauert etwa 60 Minuten.

Kypho-IORT:

Neu ist auch die intraoperative Bestrahlung eines betroffenen metastatischen Wirbelkörpers mit dem IORT-Verfahren mit anschließender Zementfestigung durch Kyphoplastie. Dabei wird zunächst für 2 bis
4 Minuten eine Strahlungsquelle direkt in den befallenen Wirbelkörper eingebracht. Nach Entfernen dieser intensiven »Blitzbestrahlung« wird der Kyphoplastie-Ballon eingeführt, der Wirbelkörper aufgerichtet und wieder mit flüssigem Zement befüllt.

Vesselplastie:

Wie die Kyphoplastie wird auch bei diesem Verfahren mechanisch ein Hohlraum im  zusammengebrochenen Wirbelkörper erzeugt. Das geschieht durch das Einbringen eines ballonartigen Netzes. Dieses soll das Austreten von Knochenzement aus dem Wirbel in das umgebende Gewebe verhindern. Durch das Ballonnetz wird schließlich flüssiger Knochenzement eingespritzt.

Palliative Therapie

Eine palliative Therapie ist eine Behandlung gemeint, die auf Linderung oder Beseitigung von Symptomen, Verlängerung der Lebenszeit, Erhöhung der Lebensqualität und Vermeidung von Komplikationen ausgerichtet ist.

Dabei ist es wichtig, die Belastungen durch Nebenwirkungen der Therapie mit dem Vorteil für die weitere Prognose, mit ausreichender Lebensqualität und den Wünschen der Patientin in Einklang zu bringen. Manche Therapien finden im Rahmen von Studien statt.



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